Kategorien-Archiv Migrationspolitik

Arbeit und Asyl

Der aktuell kommunizierte Vorschlag des Bundesinnenministers, Asylbewerber/innen frühzeitig einen möglichst unbürokratischen Zugang zum Arbeitsmarkt zu geben, ist zu begrüßen – er deckt aber nur die halbe Realität ab, was Herausforderungen bei der Arbeitsaufnahme für diese Zielgruppe angeht. Vielleicht sogar weniger als die Hälfte. Mehr als die Hälfte sind nämlich die Probleme beim Spracherwerb. Selbst für „einfache“ Helfertätigkeiten – und viele Helfertätigkeiten mögen keine Ausbildung erfordern, sind aber mittlerweile keinesfalls mehr „einfach“ – ist im Grunde ein B1-Niveau erforderlich. Arbeitsschutz-Unterweisungen und die sich daraus ergebenden rechtlichen Konsequenzen für Unternehmen, wenn etwas schiefläuft, erfordern für sich bereits ein gutes Sprachverständnis. Der Reflex, dass Unternehmer aus Not auch Personen mit unzureichenden Sprachkenntnissen eingestellt haben, stellt sich heutzutage keinesfalls mehr ein. Ohne Sprache gibt es kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Rückkehr nach Serbien und Nordmazedonien

Zum 1.1.2026 haben wir ein Kooperationsprojekt mit der Caritas Serbien und der Stiftung Mazedonische Caritas zur Beratung und Betreuung in diese Länder zurückkehrender Migrant/innen begonnen. Genauere Informationen kann man der Webseite entnehmen.
www.reintegration.net

2026 to go

Sagen wir es offen und ehrlich: 2025 war migrationspolitisch – egal, ob man sich mit Flucht oder Arbeitsmigration befasst hat – kein einfaches Jahr. Und es steht zu befürchten, dass es 2026 nicht viel besser ist. Dass übrigens die gesamte Rentendiskussion den potentiell hilfreichen Einfluss von Migration aufgrund von Angst vor der eigenen Courage weitgehend ausblendet, zeigt genau die Problematik auf, die wir aktuell haben.
Aber deswegen stecken wir den Kopf nicht in den Sand. Auch 2026 wird Chancen eröffnen. Wir danken allen, die uns im vergangenen Jahr dabei geholfen haben und wünschen schöne Festtage und einen guten Rutsch.

Arbeitsmarkt & Flüchtlinge

Wenn wir über den Arbeitsmarktzugang von Flüchtlingen reden, reden wir oft aneinander vorbei. Die neuen Begrenzungen für den rechtlichen Arbeitsmarktzugang für Menschen mit Gestattung sind aus einem ganz anderen Grund nicht hilfreich, als manche meinen. Es ist einfach eine schlechte Idee – und das ist unter Fachleuten eigentlich Konsens -, Menschen dauerhaft in irgendwelchen Aufnahmeeinrichtungen zu parken und zur Untätigkeit zu verdammen. Wozu das führt? Schwarzarbeit, psychische Probleme, Kleinkriminalität – all die Dinge, die wir gerne bei Menschen vermeiden würden. Es geht doch erst einmal gar nicht um die Präjudizierung eines Asylverfahrens oder um Fragen von push & pull, es geht vor allem darum, dass wir mit solchen Maßnahmen mehr Probleme auslösen als lösen.

AMIF

Am 15.12. wird der neue Förderaufruf des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der Europäischen Union in Deutschland veröffentlicht, ab Donnerstag findet dazu eine Reihe von Informationsveranstaltungen statt. Der AMIF ist das zentrale Steuerungsinstrument der EU – und durch die nationalen Programme auch vieler EU-Mitgliedsländer -, um Projekte und Programme im Bereich der gesamten Migrationspolitik zu fördern. Dies betrifft nicht nur den Flüchtlingsbereich, sondern auch z. B. Fragen der Arbeitsmigration. Dabei steht das Programm ohne Zweifel unter einem ständigen Anpassungs- und Nachjustierungsdruck, der gleichermaßen nationale Politik, Vorgaben der EU, aber auch die nackten Notwendigkeiten in der Migrationspolitik berücksichtigen muss. Das ist keine leichte Aufgabe und sie kann niemals – von niemandem – perfekt gelöst werden. Wir haben die Hoffnung, dass mit der Wiedereröffnung des AMIF wichtige Impulse in der deutschen Migrationspolitik gesetzt werden können und dass die bisherige Tendenz der Verwaltungs- und Prozessvereinfachung mit Nachdruck fortgesetzt wird, damit der Fonds die ihm übertragenen Aufgaben für alle Beteiligten auskömmlich und sinnvoll erfüllen kann.

Rückkehr nach Syrien? Nicht so schnell.

Ein Großteil der Schulen immer noch geschlossen, unzureichende medizinische Versorgung, eine am Boden liegende Wirtschaft und sehr ungewisse politische Aussichten: die Erwartungen, dass jetzt ganz plötzlich sehr viele Syrer/innen in ihre Heimat zurückkehren werden, sind unrealistisch – findet auch der Außenminister.

https://www.spiegel.de/ausland/syrien-johann-wadephul-rechnet-nicht-mit-rascher-rueckkehr-von-syrern-koennen-kaum-wuerdig-leben-a-65374469-466b-482f-a759-efc802592645

Abschiebezentren?

Wir haben kein grundsätzliches Problem damit, dass Deutschland Exportweltmeister ist. Autos, Maschinen, Dienstleistungen, alles in Ordnung soweit. Aber der Export von Geflüchteten, das ist dann vielleicht doch etwas schwierig. Es gibt andere Lösungen und die sind bekannt.

https://www.deutschlandfunk.de/dobrindt-sieht-rechtliche-huerden-bei-abschiebezentren-in-drittstaaten-104.html

Gründe für den Rückgang der Asylbewerber-Zahlen

Die Bundesregierung reklamiert aktuell den starken Rückgang der Asylbewerberzahlen für sich. Das ist erst einmal nachvollziehbar, man möchte gerne politisch in der richtigen Wählerklientel punkten, und die Tatsache an sich – dass die Zahlen stark sinken – ist ja auch völlig korrekt. Nur die Ursachen sind dann doch eher nicht auf die Grenzpolitik Deutschlands oder der EU zurückzuführen, wie der Mediendienst Integration richtig festhält.

https://mediendienst-integration.de/artikel/was-hat-die-zurueckweisung-von-asylsuchenden-gebracht.html

Fachkräftemangel

Der demographische Wandel wird immer wieder angesprochen, aber wir haben nicht den Eindruck, dass er von der Politik wirklich als Herausforderung angenommen wird. Stattdessen werden Maßnahmen bevorzugt, die das Willkommensklima für Zuwanderer dauerhaft vergiften, um kurzfristige politische Vorteile zu erlangen. Diese kurzfristigen Vorteile, wenn sie sich überhaupt einstellen, werden zu massiven langfristigen Problemen. https://www.spiegel.de/karriere/demografischer-wandel-oekonomen-rechnen-mit-rasantem-anstieg-des-fachkraeftemangels-a-e7c4b123-762a-4797-bbc0-21034e0afbc5

Konferenz in Brüssel

Heute sind wir auf dem globalen Treffen der Partnerorganisationen von Caritas International im Arbeitsbereich der freiwilligen Rückkehr in Brüssel. Ein langer Tag mit schwierigen Themen steht uns bevor.