Kategorien-Archiv Arbeit und Soziales

Arbeit und Asyl

Der aktuell kommunizierte Vorschlag des Bundesinnenministers, Asylbewerber/innen frühzeitig einen möglichst unbürokratischen Zugang zum Arbeitsmarkt zu geben, ist zu begrüßen – er deckt aber nur die halbe Realität ab, was Herausforderungen bei der Arbeitsaufnahme für diese Zielgruppe angeht. Vielleicht sogar weniger als die Hälfte. Mehr als die Hälfte sind nämlich die Probleme beim Spracherwerb. Selbst für „einfache“ Helfertätigkeiten – und viele Helfertätigkeiten mögen keine Ausbildung erfordern, sind aber mittlerweile keinesfalls mehr „einfach“ – ist im Grunde ein B1-Niveau erforderlich. Arbeitsschutz-Unterweisungen und die sich daraus ergebenden rechtlichen Konsequenzen für Unternehmen, wenn etwas schiefläuft, erfordern für sich bereits ein gutes Sprachverständnis. Der Reflex, dass Unternehmer aus Not auch Personen mit unzureichenden Sprachkenntnissen eingestellt haben, stellt sich heutzutage keinesfalls mehr ein. Ohne Sprache gibt es kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Arbeitsmarkt & Flüchtlinge

Wenn wir über den Arbeitsmarktzugang von Flüchtlingen reden, reden wir oft aneinander vorbei. Die neuen Begrenzungen für den rechtlichen Arbeitsmarktzugang für Menschen mit Gestattung sind aus einem ganz anderen Grund nicht hilfreich, als manche meinen. Es ist einfach eine schlechte Idee – und das ist unter Fachleuten eigentlich Konsens -, Menschen dauerhaft in irgendwelchen Aufnahmeeinrichtungen zu parken und zur Untätigkeit zu verdammen. Wozu das führt? Schwarzarbeit, psychische Probleme, Kleinkriminalität – all die Dinge, die wir gerne bei Menschen vermeiden würden. Es geht doch erst einmal gar nicht um die Präjudizierung eines Asylverfahrens oder um Fragen von push & pull, es geht vor allem darum, dass wir mit solchen Maßnahmen mehr Probleme auslösen als lösen.

SVR-Gutachten zur Migration veröffentlicht

Das SVR-Jahresgutachten zur Migration ist da, immer wieder eine gute Quelle für Reflektion und Planung. Auch das aktuelle Gutachten wird diesem Anspruch gerecht. Aus unserer Sicht sind mehrere Punkte von Relevanz: die Feststellung, dass Behörden mit der Umsetzung migrationspolitischer Entscheidungen oft überfordert sind, die Einschätzung, dass bei arbeitsmarktpolitischen Interventionen „Sprache first“ immer noch einen hohen Stellenwert haben sollte und dass für Frauen immer noch ungerechtfertigte Hürden beim Arbeitsmarktzugang bestehen. All das und noch mehr kann man hier nachlesen:

Chancenaufenthaltsrecht für Geduldete

Einladung zur BIG SAAR-Fachveranstaltung

Chancenaufenthaltsrecht für Geduldete
Erfahrungen und Lösungswege

17.11.2023, 9.00 – 11.30 Uhr, Breite Str. 63, 66115 Saarbrücken

Referentin:
Ann-Christin Bölter, Initiativausschuss für Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz
anschließend:
Podiumsdiskussion zum fachlichen Austausch, Abschluss mit kleinem Imbiss

Bitte melden Sie sich bis zum 10.11.2023 per E-Mail an bei info@micado-migration.de mit dem Stichwort „Fachveranstaltung BIG SAAR“

Flyer

Rückblick auf die SABENE-Fachtagung „Flüchtlinge aus Afghanistan“

Am 14.11.2017 führte das SABENE-Projekt seine Fachtagung zum Thema „Flüchtlinge aus Afghanistan“ in den Räumlichkeiten der Handwerkskammer in Saarbrücken durch. Vor etwa 70 Gästen eröffnete Herr Dr. Justus Wilhelm von der HWK die Veranstaltung mit dem Hinweis, dass der Mangel an Auszubildenden in vielen Berufen weiterhin ein großes Problem sei und er darauf baue, dass jugendliche Flüchtlinge den Weg in klassische handwerkliche Ausbildungsberufe finden würden.

Die Islamwissenschaftlerin Angela Parvanta brachte in ihrem Vortrag sowohl den historischen Kontext der Flüchtlingssituation wie auch die schwierige Lebenslage in Afghanistan zur Sprache. Insbesondere wies sie auf die mangelhafte Schul- und Ausbildungssituation hin, die für viele Flüchtlinge schwierige Ausgangsbedingungen für einen beruflichen Start in Deutschland bedingen würden.

In einer anschließenden Gesprächsrunde mit afghanischen Flüchtlingen wurde die Bandbreite der individuellen Situation sehr deutlich: Von Studienabsolventen bis hin zu Jugendlichen, die gerade einen Schulbesuch hinter sich hatten, stellten die Flüchtlinge ihre jeweiligen Erfolge und Herausforderungen vor. Besonders problematisch war und ist für jene, deren Aufenthaltsstatus noch nicht gefestigt ist, ihre potentiellen Arbeitgeber von der Chance einer dauerhaften Beschäftigung zu überzeugen. Ebenfalls diskutiert war der unterschiedlich schwierige Zugang zu Sprachkursen, der nur teilweise durch Eigenstudium kompensiert werden konnte.

In der anschließenden allgemeine Diskussion kamen viele Aspekte zur Sprache: von den Berufschancen für Analphabeten über die Hürden des Zugangs zu Ausbildungsberufen bis hin zur Rolle der Beratungseinrichtungen und der Jobcenter bei der Arbeitsvermittlung. Am Ende der Veranstaltung wurde erneut deutlich, dass die individuellen Lebenssituationen der Afghanen, ebenso wie die anderer Flüchtlingsgruppen, auch eine individuelle Herangehensweise an die Arbeitsmarktintegration notwendig machen.

Maßnahmen der Bundesregierung für die Sprachförderung und Integration von Flüchtlingen

Übersicht aller Programme und Maßnahmen der Bundesregierung zur Sprachförderung und Integration von Flüchtlingen zu Ihrer Information.

Diese Broschüre kann als PDF über die Seite des ESF geladen werden

Studie: Flüchtlinge auf dem Wohnungsmarkt

Welche Chancen haben Geflüchtete, eine eigene Wohnung zu finden? Ein Forscherteam des „Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung“ (BIM) hat die Situation in Berlin und Dresden untersucht.
In einer Expertise für den MEDIENDIENST fassen die Autorinnen vorab zentrale Ergebnisse zusammen. Demnach sind Flüchtlinge bei der Wohnungssuche mit zahlreichen Problemen konfrontiert:
  • In beiden Städten gibt es bürokratische Hürden: In Berlin muss ein Wohnungsangebot zunächst von den Behörden geprüft werden, bevor Geflüchtete einziehen können. Diese Prüfung dauerte im letzten Jahr oft so lange, dass die Wohnung schon anderweitig vergeben wurde. In Dresden dürfen Schutzsuchende in der Regel erst nach Abschluss ihres Asylverfahrens eine eigene Wohnung suchen.
  • Viele Vermieter haben Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen. Einige befürchten, unterschiedliche „Wohnkulturen“ könnten zu Problemen beim Zusammenleben führen. Andere geben offen zu, dass sie keine Flüchtlinge als Mieter haben wollen.
  • Viele Geflüchtete in Berlin wissen nicht, dass sie in eine eigene Wohnung ziehen dürfen, und begeben sich daher oft gar nicht erst auf die Suche.
Die Expertise finden Sie hier.
Zudem wurden die Ergebnisse in einem Artikel zusammengefasst.

Erfolgreiche SABENE-Fachtagung bei der IHK

Am 9.12. fand in den Räumlichkeiten der IHK in Saarbrücken eine SABENE-Fachtagung zum Thema „Arbeitsmarktintegration syrischer Flüchtlingsfrauen“ statt. Die Veranstaltung wurde von InteressentInnen aus vielfältigen Arbeitszusammenhängen besucht: aus Wohlfahrtseinrichtungen, den Jobcentern und ehrenamtlich Tätigen. Der einleitende Vortrag von Frau Dr. Huda Zein vom Institut für Orientalistik der Universität Köln bot die Grundlage für die folgenden Diskussionen. Frau Dr. Zein schlug einen Bogen von der gesellschaftlichen Stellung der Frau in Syrien – vor allem unter dem Gesichtspunkt der Erwerbstätigkeit – hin zu den Herausforderungen, die sich nach der Ankunft in Deutschland ergeben. Sie wies insbesondere auf die oft schwierige psychische Situation der Frauen hin, die bei der Beratungstätigkeit zu berücksichtigen sei.

Im Anschluss an den Vortrag fand eine Podiumsdiskussion mit fünf Syrerinnen statt, die zum Teil erst seit sehr kurzer Zeit in Deutschland sind. Sie legten ihren beruflichen Werdegang vor der Flucht sowie ihre Wünsche und Vorstellungen für die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt dar. Neben der sprachlichen Hürde, der Frage der Anerkennung in Syrien erworbener Qualifikationen sowie weiterer, vor allem organisatorischer Herausforderungen wurden auch übergreifende Probleme wie etwa der erlebte Alltagsrassismus diskutiert. Die Syrerinnen endeten ihre Beiträge mit dem Appell, weiter aufeinander zuzugehen, Vorurteile und Stereotypen abzubauen und über ein gemeinsames Verständnis an den Problemen zu arbeiten.

 

Neue Studie zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen

Als Working Paper # 66 hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in diesen Tagen eine Studie des Europäischen Migrationsnetzwerkes zur Arbeitsmarktintegration von Schutzberechtigten veröffentlicht und online gestellt.

Bundesbildungsministerium: Maßnahmenpaket für Flüchtlinge

Das Bundesbildungsministerium hat Ende letzten Jahres ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung von Bildungschancen für Flüchtlinge vorgestellt und dafür rund 130 Mio. € bereitgestellt. Das Paket umfasst u. a. Maßnahmen zur Förderung des Spracherwerbs, Verbesserung der Instrumente zur Kompetenzfeststellung und Anerkennung von Qualifikationen und den Ausbau der Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration. Detaillierte Informationen gibt es hier.